19.07.2019

Nachlese zum Präventionskongress 2019 GESUND BLEIBEN.

»Wir haben schon einiges getan, aber sind noch lange nicht angekommen«, resümierte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Ende seiner Rede im Rahmen des Präventionskongresses am 23. und 24. Mai 2019 im Bonner Telekom Dome vor über 450 auserwählten Gästen. Er blickte damit nicht nur auf die bevorstehende Veröffentlichung des ersten Präventionsberichtet voraus, sondern brachte damit auf den Punkt, was über 40 hochkarätige Referenten und Diskussionsgäste zusammentragen konnten. „Ein unglaublich gutes Programm. Wahrscheinlich wird man im ganzen Jahr 2019 bei keiner Veranstaltung so viele Hochkaräter treffen können wie an diesen beiden Tagen in Bonn“, prognostizierte Prof. Dr. Walter Eichendorf, Präsident des Deutschen Verkehrssicherheitsrates und DGUV-Vorstand a. D. im Vorfeld. Und tatsächlich ist der gemeinnützigen Gesellschaft für Prävention (GPeV) unter Leitung des Geschäftsführenden Vorstandes Peter Schlink eine fulminante Neuauflage der damaligen europäischen Präventionskongresse (zuletzt 2011) gelungen, mit maßgeblicher Mitarbeit der Co-Ausrichter Deutsches Sport- und Präventionsnetzwerk (DSPN), der Offensive Mittelstand sowie Helmut Fleischer Consulting (HFC).

Der beeindruckende Auftritt von Bundesminister Jens Spahn mit der anschließenden Diskussionsrunde zählte sicherlich zu den Höhenpunkten des Kongresses, da neben Zukunftsforscher Jan Berger und AOK-Vorstand Rolf Buchwitz sich auch Dr. Eckart von Hirschhausen und WDR-Ikone Jean Pütz in die leidenschaftliche Diskussion einbrachten und die ohnehin große Bandbreite um das Thema Klimaschutz erweiterten. Alle ernteten viel Szenenapplaus, und Hirschhausen gab damit einen Vorgeschmack auf sein späteres Soloprogramm „Das Beste kommt noch“. Zudem erhielt der Mediziner einen Best-Practice-Award der GPeV in der Kategorie Medien für sein unermüdliches Engagement, Gesundheit und Humor zusammen multimedial an die Menschen zu bringen.

Informationen über die Preisträger in den anderen Kategorien Wissenschaft (Prof. Dr. Achim Viktor), Schule (MiMa Sport, TigerKids, Sherlock Sugar), Kommune (Karate: Mindfull, Stadt Papenburg, GfP - kommunale Präventionsmatrix) sowie Betrieb (YourPrevention, GISA GmbH, MAN Truck & Bus AG) lesen Sie hier.

Zu Beginn des Kongress blickte GPeV-Schirmherr Prof. Dr. mult. Wildor Hollmann auf die Anfänge der Präventionsmedizin zurück. Der vielfach ausgezeichnete Kardiologe erinnerte, dass bspw. Herzinfarkte noch mit zehn Wochen totaler Bettruhe behandelt wurden: „Ich bin ja nun älter als das Grundgesetz, aber im Gegensatz dazu stand in vielen medizinischen Schriften viel Unsinn“, kommentierte der heute 94-Jährige gewohnt humorvoll das 70-jährige Jubiläum des Grundgesetzes. Dies war natürlich auch Gegenstand der Eröffnungsreden von Bonn-OB Ashok Sridharan und Landrat Sebastian Schuster.

Anschließend blickten Bundestagsvizepräsident a. D. Johannes Singhammer gemeinsam mit Eichendorf und „Deutschland bewegt sich“-Initiator Helmut Fleischer auf die Anfänge des Präventionsgesetzes zurück, ehe Prof. Dr. Ingo Froböse über den Status quo der Prävention in Deutschland aufklärte und gemeinsam mit BZgA-Leiterin Dr. Heidrun M. Thaiss, Landesministerin a. D. Birgit Fischer und dem Heidelberger Professor Dr. Gerhard Huber diskutierte.

Fleischer blickte auch mit Ulrich Eulenspiel (Gräfe & Unzer Verlag), DRV-Direktorin Brigitte Gross, LSB-Präsident und langjähriger DOSB-Vize Walter Schneeloch sowie Bernd Pastors von Aktion Deutschland hilft „über den Zaun“. Zudem gaben BGM-Experte Prof. Dr. Volker Nürnberg und der Fraunhofer-Professor Dr. Harald P. Mathis einen Ein- wie Ausblick auf die Implikationen des digitalen Wandels auf die Gesundheit.

Somit hatten die Professoren Dr. Jürgen Buschmann (Deutsche Hochschule für Gesundheit und Sport) und Dr. Mathias Bellinghausen (Hochschule für angewandtes Management) im abschließenden Conclusio einiges zusammenzufassen und sprachen sich in den „Bonner Thesen“ für mehr Mut in der Finanzierung der Prävention allgemein und insbesondere für komplexere Projekte oder Forschungen in der Lebenswelt Kommune aus.

Diese stand auch am zweiten Tag im Mittelpunkt der ersten Diskussionsrunde mit Bellinghausen, Uwe Lübking vom Städte- und Gemeindebund, Markus Leßmann vom MAGS NRW, Thomas Preis vom Apothekerverband Nordrhein und Valerie Holsboer der Bundesagentur für Arbeit. Anschließend folgten noch 15 Fachvorträge von Prof. Detlev Ganten und Fachreferenten der Gesellschaft für Prävention oder der Mitausrichter Offensive Mittelstand und Deutsches Sport- und Präventionsnetzwerk, dessen Geschäftsführer Fabian Ross sich freute, „dass neben den Lebenswelten Betrieb und Familie auch die Kommune hier endlich den Platz bekommt, den sie braucht“. 

Am Abend lud der Wissenschaftliche Beirat ins Steigenberger Hotel auf dem Petersberg ein. Sprecher Prof. Dr. Hans-Georg Predel fand dort unter lang anhaltendem Applaus lobende Worte für Cheforganisator Peter Schlink. Auch GPeV-Vorstand Prof. Dr. Christian Buschmann und Prof. Dr. Mathias Bellinghausen, verantwortlich für die inhaltliche Gestaltung des Kongresses, fanden explizite Erwähnung. „Natürlich gehören noch viel mehr Macher und Helfer sowie Sponsoren und Partner dazu, denen ich allen auch herzlichst danken möchte“, adressierte Predel an die vielen Unterstützer des Kongresses. Nach einleitenden Worten durch Johannes Singhammer wurde an dieser historischen Stätte anschließend der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der AOK Rheinland/Hamburg Rolf Buchwitz feierlich in den Kreis des Beirates aufgenommen.

Peter Schlink resümierte aber auch noch großes Verbesserungspotenzial: „Etwas enttäuschend ist, dass unsere Ausstellung für Jedermann nicht gut besucht wurde. Die tollen und interaktiven 40 Aussteller sowie ein facettenreiches Bühnenprogramm mit Prominenten, Show-Köchen, Wissensquizzen oder Mitmach-Aktionen wie Senioren-Karate oder Yoga auf Surfbrettern sorgten zwar bei den Anwesenden für Begeisterung und immerhin einigen Medienberichten, doch insgesamt ist es uns nicht gelungen, die gewünschte Resonanz bei der Bevölkerung zu erreichen. Das müssen wir genau analysieren“, so Schlink. 

Für die Neuauflage im kommenden Jahr werden sich also in vielerlei Hinsicht Veränderungen andeuten, blickt Schlink voraus: „Das Feedback war ansonsten überwältigend. Viele namhafte Institutionen und Personen haben uns schon eine Zusammenarbeit für kommendes Jahr avisiert. Das wird uns nun anspornen, um auch im kommenden Jahr so einen Kongress auf die Beine zu stellen, mit dem die GPeV ihren Beitrag leisten kann, die Potenziale und den Nutzen der Prävention und Gesundheitsförderung an den Menschen zu bringen“.